Historisches
Die Limmersdorfer Lindenkirchweih – ein jahrhundertealter Brauch
Seit mindestens 1729 gibt es in Limmersdorf, das im Jahr 2005 das 750-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung 1255 feierte – aber vermutlich weit über 1000 Jahre alt ist – ein urfränkisches, ja vielleicht sogar das typischste (Ober) fränkische Kirchweihfest, in dessen Mittelpunkt die Tanzlinde steht. Ein uralter knorriger Baum in dessen Krone jedes Jahr zur Kirchweih getanzt wird. Er ist ungefähr 16 Meter hoch, der Stammumfang beträgt 5 Meter, die Tanzfläche befindet sich in rund 4 Meter Höhe.

Um diese Tanzlinde hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein dörflicher Brauch entwickelt, in dem sich viele Elemente oberfränkischer Kirchweihen vereinen.


Nach der “ Wirtshauskerwa “, die, wie überall zur Kirchweih in Franken, am Donnerstag und Freitag schlachtfrische Spezialitäten (“ Schüpf, Krenfleisch, Siedwörscht “) bietet, findet zum Auftakt der Lindenkirchweih am Samstag nach dem “ Gebet – und Feierabendläuten “ ( abends um sechs Uhr ) regelmässig ein Kirchenkonzert in der direkt neben den “ Plootz “ stehenden, 500 Jahre alten “Johanneskirche”, deren besonderes Merkmal ein sogenannter “Baum-Christus” im Altar ist, statt. Daran anschließend erfolgt der Anstich des ersten Fasses Festbier am “Plootz”, durchgeführt vom ersten Bürgermeister des Marktes Thurnau zu dem Limmersdorf seit der Eingemeindung 1978 gehört.
Am Sonntag Morgen wird ein Festgottesdienst abgehalten, an dem die “Platzpaare” in schmucker Festtagstracht gemeinsam teilnehmen.
Diese vier Platzpaare holen sich dann am Sonntag und Montag im Rahmen des Festzuges gegenseitig von zu Hause ab (“ Rumspielen”). Dabei wird “zum Tanz aufgespielt”, früher im “Ern”, dem Hausflur, heute vor den Häusern, und der bzw. die Abzuholende erhält ein Blumensträußchen angeheftet, womit die festliche Tracht vollständig ist. Anschließend wird den Gästen eine kleine Erfrischung gereicht. Bei diesem Marsch durch das ganze Dorf sind neben vielen Gästen und der Musik der blumengeschmückte Hammel (“ Plootzhem`l “) und eine mit Bier gefüllte Gießkanne (“ Bierspreger “) zum Nachfüllen der handbemalten Bierkrüge der Plootzborsch`n dabei.
Nach Ankunft des Festzuges an der “Tanzlinde” führen die vier Platzpaare unter der Linde einen Tanz auf. Danach sucht sich jeder der acht “Plootzer” aus dem Publikum einen neuen Tanzpartner, der dafür das mitgeführte Blumensträußchen erhält (“ Sträußlesbum”, Sträußlesmadla”). Die acht Damen dieses Puplikumstanzes erhalten von ihrem Tanzpartner nach der Aufführung ein kleines Geschenk (“ a Kerwa kaafn”).
Nach diesem “Kerwa aufspielen” geht es über die Treppe (“ die Lizza”) zum Tanzboden (“ Bruck “) – die beide nur zur Lindenkirchweih an und in das ganzjährig vorhandene, vor allem von acht Sandsteinsäulen getragene Gerüst gebaut werden – in die Krone der alten, ehrwürdigen Tanzlinde. Ein weiterer Tanz der Platzpaare eröffnet dann den “Tanz auf der Linde” zu dem auch die Musik in einem eigenen Häuschen oben neben der Bruck platz nimmt, und das bunte Treiben auf dem “Plootz” beginnt.

Am Sonntag Nachmittag finden neben dem allgemeinen Kirchweihtreiben eine Kirchenführung und die Besteigung des Kirchturms statt. Am Abend “Tanz auf der Linde” und Kirchweihtreiben.
Früher fand am Montag Morgen in einem Dorfwirtshaus (beim “Schreiner”) der Frühschoppen statt, bei dem es nur Bier und “Blaug`sud`na” ( in Essig-Zwiebel-Sud erhitzte fränkische Bratwürste ) gibt. Als der “Schreiner” geschlossen hat, wurde der Frühschoppen an den “Plootz” verlegt und ist inzwischen ein unverzichtbarer Teil der Lindenkirchweih geworden.
Nach dem Rumspielen wird am Montag Abend wieder auf der Linde getanzt. Im Laufe des Abends wird der nicht mehr benötigte “Plootzhem`l” verlost und mit Marschmusik zum neuen Besitzer begleitet, wenn`s nicht zu weit ist.
Am Dienstag Abend endet die “Limmersdorfer Lindenkirchweih”, nachdem der “Biersprenger” mit Füllung versteigert wurde, mit einer humorvollen “Predigt” des “Kerwa-Pfarrers” über den Ablauf und die Vorkommnisse der Kirchweihtage und dem Einholen der “Lizza”.
“Die Kerwa werd begro`m”….
…. und aus is, aus is, aus is.
Die “Limmersdorfer Tanzlinde” ist neben der neugepflanzten Linde im Nachbarort Peesten und den Linden in den thüringischen Dörfern Effelder und Sachsenbrunn mittlerweile die letzte und wohl Älteste ihrer Art in Deutschland und die “Limmersdorfer Lindenkirchweih” das letzte in dieser alten Tradition durchgeführte Kirchweihfest. Es richtig zu erleben heisst, von Anfang bis zum Ende dabei zu sein, mitzumachen, mitzutanzen, mitzufeiern, auch wenn dann wie Einheimische glaubhaft berichten einige Tage zur Erholung durchaus eingeplant werden sollten.
“Die Kerwa werd begro`m”….